Tierhandel

Das Gehirn ist schon seltsam. Zum emotionalen Schutz schaffen wir es, die größte Ungerechtigkeit auszublenden. Ich habe bis hierhin sehr viel “prekäre Lebenssituationen” gesehen. Jedenfalls würde mein Studienfach diese so euphemistisch bezeichnen.
Dieser kleine Affe, der sich scheinbar seinem Schicksal ergeben hat, berührte mich auf sonderbare Weise.
Die gesamte Szenerie schien so kurios, und so bezeichnend für so vieles, dass es fast zu stereotypisch wirkte.
Vor der Landwirtschaftskammer der Republik Mali sitzen 4-5 Männer mittleren Alters in selbst gebastelten Stühlen. Um sie herum mehrere Käfige und eine Kiste. In den Käfigen tummeln sich unzählige Vögel. Reiher, Tauben, Papageien, Kanarienvögel und Greifvögel. Auf Nachfrage darf ich in die Kiste gucken.
Schwarze, weit aufgerissene große Augen blicken mich an. Die offensichtlich nachtaktiven Urwaldgazellen sind vollkommen verstört. Das angebliche Pärchen ist in keinem guten Zustand. Das Männchen liegt zusammengekauert auf dem Boden. “Der schläft” wird mir mit dem breitesten Lächeln versichert. Erst nachdem ich ihm versichere, dass ich mir absolut sicher bin, dass das Tier nicht schläft, sondern komatös ist, “kümmern die Männer sich um das Tier. Sie schnallen die Kiste auf ein Moped und bringen sie zu einem Tierarzt. Natürlich aus Sorge um ihren Gewinn, und nicht aus Tierliebe.
Für Nachschub ist gesorgt wird mir versichert. Die Grenze zu Gambia ist quasi nicht existent, und so können die umliegenden Urwälder als potenzielle Nachschubrouten genutzt werden. Die Frage wer so einen Affen kauft, hatte sich auch nach wenigen Minuten erledigt…

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